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Surfin`Salzkammergut

Schon bei den ersten Tests im Mai war der Andrang und die Freude groß. © THE.RIVERWAVE

#PRAXIS | Wenn sich ein junger Visionär mit erfahrenen Ingenieuren zusammentut, ist nichts mehr unmöglich. Max Neuböck hatte den Traum, den Ozean ins Salzkammergut zu holen und konnte diesen, mit Hilfe der Firma BRAUN Maschinenfabrik GmbH aus Vöcklabruck, tatsächlich verwirklichen. In Ebensee bauten sie THE.RIVERWAVE, die größte, künstliche Flusswelle Europas.

Das Wellenreiten, auch Surfen genannt, hat seinen Ursprung in Polynesien. Schon vor über 1000 Jahren war es dort auf Hawaii eine beliebte Aktivität für Jung und Alt. Das kunstvolle Spiel mit den Wellen hatte damals eine derart große gesellschaftliche Bedeutung, dass die Buchten mit den höchsten und besten Wellen nur für die Könige reserviert waren. Auch Schriftsteller Mark Twain berichtete Ende des neunzehnten Jahrhunderts nach seiner Reise nach Hawaii fasziniert von „eingeborenen Frauen und Männern jeden Alters, die sich beim Wellenreiten vergnügten“. Er selbst versuchte sein Glück am Brett, scheiterte jedoch und landete „mit ein paar Fässern Wasser im Bauch“ wieder auf dem Strand. Seither hat sich viel getan. In den 1950er Jahren wurde Surfen zum beliebten Sport der rebellischen, amerikanischen Jugend. Von Kalifornien aus verbreitete sich ein Lebensstil, der bis heute viele in seinen Bann zieht. Dabei handelt es sich keineswegs um eine reine Freizeitbeschäftigung, Athleten können bei weltweiten Wettkämpfen ihr Können beweisen, seit diesem Jahr ist Surfen sogar olympisch. 

Ein Ozean fürs Salzkammergut

Obwohl die Entstehung dieses Sports schon lange zurück liegt, steht die Weiterentwicklung keineswegs still. Gesurft wird heute auf sehr kleinen und riesig großen Wellen und mancherorts sogar ganz ohne Meer. So geschah es im Jahr 2007, dass der junge Ebenseer Max Neuböck die Liebe zum Riversurfing, also dem Surfen auf einer stehenden Welle im Fluss, entdeckte. Schon bald entwickelte sich daraus der Traum, eine konstante, künstliche Welle zu schaffen, die den Ozean in die Berge des Salzkammerguts bringt. Nach vielen Jahren der Planung, der Suche nach einer geeigneten Stelle und etlichen Behördenverfahren war es im August 2019 endlich soweit – der spektakuläre Bau der größten künstlichen Flusswelle Europas konnte beginnen. Dafür wurde in der Gemeinde Ebensee ein 140 Meter langer Ausleitungskanal aus der Traun errichtet, in dessen Mitte dann, dank ausgeklügelter Technik, eine stehende Welle erzeugt wird. Mit der Entwicklung des sogenannten Waveshapers wurde die Firma BRAUN Maschinenfabrik GmbH aus Vöcklabruck beauftragt. „Dank unserer jahrelangen Erfahrung im Wasserkraftwerksbau und Hochwasserschutz waren wir sozusagen schon im Element Wasser zuhause – der Auftrag bei der Entstehung einer künstlichen Welle mitzuwirken, ist aber bisher einzigartig“, erzählt Roman Unterberger, Projektleiter im Stahlwasserbau bei der Firma Braun.

„Grundvoraussetzung sind der Höhenunterschied und der Durchfluss der Traun in diesem Bereich. Bei der Konstruktion arbeiten wir mit zwei Stauklappen, die wir anders angeordnet auch für Flussregulierungen verwenden. Um die Welle zu erzeugen, wurde eine der beiden Klappen am Grund der Traun mit Lagerblöcken fixiert, die größere ist bei einem Gewicht von zehn Tonnen, zehn Meter breit und fünf Meter hoch. Um diese an Ort und Stelle zu bekommen, wurden Tunnel gesperrt und sogar eine halbseitige Abschaltung der Hochspannungsleitung für das innere Salzkammergut veranlasst. Die Hochspannungsleitungen verlaufen direkt über der Einbaustelle und wären eingeschaltet lebensgefährlich für das Montagepersonal gewesen,“ erklärt Unterberger den Bau des komplexen Konstrukts.

Alles ist möglich

Anfang Mai war es dann endlich soweit – die Welle wurde vor der malerischen Bergkulisse zum ersten Mal in Betrieb genommen.
Obwohl es für alle Beteiligten ein bisher einzigartiges Projekt war, liefen die ersten Tests ohne Probleme.

„Ein wichtiger Faktor, um die Welle zu betreiben, ist der Wasserstand der Traun, dieser kann sich jedoch durch die oft extremen Regenfälle schlagartig ändern. So eine Naturgewalt lässt sich im Modell nicht hundertprozentig exakt berechnen, wir sind aber zum Glück mit unserer Konstruktion so flexibel, dass wir auf alle Gegebenheiten eingehen können. Die Größe der Welle kann direkt vor Ort vom Smartphone oder PC aus gesteuert werden, alle Anpassungen sind somit on time möglich. Die vorgenommenen Einstellungen werden dann im System gespeichert, mit der Zeit werden wir somit, bei jedem Wasserstand die perfekte Welle schaffen können. Die Verwendung der Waveshaper ist dabei sehr energieschonend, da keinerlei Pumpen verwendet werden“, erzählt Max Neuböck, der seinen Traum nun tatsächlich verwirklichen konnte und meint, das Wichtigste, das er dabei gelernt hat, ist: „Glaube niemandem, der dir sagt, dass etwas nicht geht. Den Satz habe ich gefühlt zweihundertmal gehört – und jetzt stehe ich vor dem fertigen Projekt.“

 

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(Autor: NIS, 16.06.2020 )

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